Health Care

Wie Clinical Computer Vision die OP-Dokumentation unterstützt

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Authors

Fisnik Avdiu

Professional E2E Architecture

Mert Tasali

Consultant E2E Digital Solutions

Julian Jakob Aras

System- and Software Engineer

Warum wertvolles OP-Wissen verloren geht

In vielen Operationssälen läuft die Kamera längst mit. Gerade bei minimalinvasiven Eingriffen entstehen bei jeder OP-Videodaten, die den gesamten Ablauf zeigen. Darin steckt vieles, was später für Dokumentation, Qualitätssicherung und Ausbildung relevant ist: Welche Schritte wurden durchgeführt? In welcher Reihenfolge? Welche Befunde gab es?

Das Problem dabei ist, dass die Videos in der Regel unstrukturiert bleiben. Sie werden gespeichert, aber kaum ausgewertet. Relevante Aktionen und Befunde müssen deshalb nach dem Eingriff manuell dokumentiert werden. Dabei können Details verloren gehen, die im Video eigentlich vorhanden wären.

Krankenhäuser haben also nicht grundsätzlich zu wenig Daten, sondern die vorhandenen Daten lassen sich nur schwer nutzen. Das Wissen aus den Eingriffen ist da, bleibt für Dokumentation, Analyse und Qualitätssicherung aber weitgehend unzugänglich.

Wie die Lücke zwischen OP und Dokumentation entsteht

Chirurginnen und Chirurgen konzentrieren sich während eines Eingriffs natürlich auf die Patientinnen und Patienten. Der OP-Bericht entsteht meist erst im Anschluss an die Operation, oft unter Zeitdruck und aus der Erinnerung heraus. Das ist nachvollziehbar, denn zwischen zwei Eingriffen bleibt im Klinikalltag selten Zeit, jeden Schritt minutiös festzuhalten.

Eigentlich könnte das Video hier helfen. Doch ein mehrstündiges OP-Video nach dem Eingriff noch einmal vollständig zu sichten, ist im Alltag schlicht nicht machbar. So entsteht eine Lücke zwischen dem, was im OP tatsächlich passiert ist, und dem, was am Ende im Bericht steht.

Das betrifft hauptsächlich die Vollständigkeit der Dokumentation, führt aber auch dazu, dass für die Qualitätssicherung und zu Ausbildungszwecken Informationen fehlen, die ja eigentlich vorhanden sind. Gerade der chirurgische Nachwuchs könnte von strukturiert aufbereiteten Eingriffen profitieren.

Clinical Computer Vision: OP-Videos als Quelle für strukturierte Dokumentation

Mit Clinical Computer Vision lassen sich OP- und Videodaten als Quelle für strukturierte Dokumentation und Prozesswissen nutzbar machen. CarByte entwickelt dazu einen Ansatz, der chirurgische Videodaten automatisiert analysiert und bei der Erstellung und Prüfung von OP-Berichten unterstützt.

Im ersten Schritt werden die Aufnahmen aus dem OP sicher und datenschutzkonform erfasst. Anschließend analysiert das System, was im Video passiert, z. B. welche Instrumente zum Einsatz kommen, welche anatomischen Strukturen zu sehen sind und welche Handlungen durchgeführt werden.

Die relevanten Phasen und Schritte des Eingriffs werden anschließend zeitlich eingeordnet und strukturiert dargestellt. Diese Übersicht lässt sich mit dem OP-Bericht abgleichen. So wird sichtbar, ob relevante Informationen fehlen oder nicht zum aufgezeichneten Ablauf passen.

Bevor ein entsprechender Hinweis in die Dokumentation einfließt, wird er vom medizinischen Personal geprüft und bestätigt.

Die Entscheidung bleibt also beim Menschen. Das System schreibt keinen OP-Bericht eigenständig fest und ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Es hilft aber dabei, Informationen aus dem Video schneller zugänglich zu machen.

Was bringt Computer Vision in der OP-Praxis?

Wie das im Alltag aussehen kann, zeigt ein Beispiel: Nach einem laparoskopischen Eingriff diktiert der Operateur den OP-Bericht zwischen zwei weiteren Operationen. Ein zusätzlicher Versorgungsschritt während der OP wird dabei nur knapp oder gar nicht erwähnt. Im Video ist er klar zu sehen.

Das System erkennt die Sequenz, ordnet sie zeitlich ein und weist darauf hin, dass sie im Bericht fehlt. Der Operateur prüft den Hinweis und ergänzt den Bericht mit wenigen Klicks.

Für Krankenhäuser kann das an mehreren Stellen einen Unterschied machen:

  • Bessere Vorbereitung der Dokumentation: Relevante Schritte aus dem Video liegen strukturiert vor und der OP-Bericht kann gezielt auf fehlende Informationen geprüft werden.

  • Mehr Qualität und Transparenz: Abläufe werden nachvollziehbarer und Eingriffe lassen sich systematischer analysieren und nachbereiten.

  • Eine neue Grundlage für OP-Training: Statt komplette Videos durchsuchen zu müssen, können relevante Sequenzen gezielt für die Aus- und Weiterbildung genutzt werden.

Was CarByte dazu beiträgt

Eine leistungsfähige Computer-Vision-Lösung allein reicht im Krankenhaus nicht aus. Sie muss sich auch sicher in die vorhandenen Systeme und Abläufe integrieren lassen.

Dafür verbinden wir Computer Vision für die Analyse der Videodaten mit Data Pipelines für die Verarbeitung großer Datenmengen. Hinzu kommen die Anbindung an KIS und Dokumentensysteme sowie Security und Governance für den Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten.

Die medizinische Expertise bringen die Kliniken mit. Wir kümmern uns um die Technologie dahinter. Von der Verarbeitung der Videodaten bis zur Integration in bestehende Systeme. Das Ziel ist eine Lösung, die das OP-Team bei der Dokumentation unterstützt, ohne einen zusätzlichen Arbeitsschritt zu schaffen.

Takeaways

  • OP-Videos enthalten detailliertes Prozesswissen, das im nachträglich erstellten OP-Bericht fehlen kann und ohne strukturierte Auswertung kaum für Dokumentation und Qualitätssicherung nutzbar ist.

  • Clinical Computer Vision analysiert chirurgische Videodaten und erkennt Instrumente, anatomische Strukturen, Handlungen und relevante Sequenzen, um die Prüfung des OP-Berichts zu unterstützen.

  • Strukturierte OP-Videodaten können Dokumentation, Qualitätssicherung, Prozessanalyse und chirurgisches Training unterstützen. Die medizinische Bewertung und finale Entscheidung bleiben beim Menschen.